Aus der Geschichte des Haselbachtales

von

Gustav Brude


Sommer 1958

Neu bearbeitet und ergänzt Sommer 1971


Der Ort Haselbach mit Søldhaus umfaßt heute (1971) etwa 150 Einwohner. Davon sind die Hälfte Vertriebene und Flüchtlinge aus dem Sudetenland, dem Balkan und der Ostzone. Nach der Zahl der Familien sind zwei Drittel Einheimische und ein Drittel Neubürger, was besagt, dass die zugewanderten Familien kinderreicher sind als die Einheimischen.

Nach der Oberamtsbeschreibung von 1845 lebten zu jener Zeit 165 Einwohner in Haselbach, davon 67 Katholiken. Der Haselhof hatte damals 11 katholische Einwohner. Später war der Pächter evangelisch. Die Enwohnerzahl hatte also bis 1945 nicht zu-, sondern leicht abgenommen, was sowohl auf die im 19. Jahrhundert hohe Kinderzahl als auch auf die Abwanderung von dem abgelegenen Ort zurückzuführen ist, Erscheinung, der men auch an anderen Orten z. b. Im Hohenlohischen begegnet. Erst nach dem 2. Weltkrieg nahm die Einwohnerzahl durch den Ansturm der Flüchtlinge zu.

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Die Haselmühle

Das jetzt stehende, in die Landschaft trefflich passende Gebäude mit einem freundlich grüßenden, hellen Fachwerk war einst der Mittelpunkt des lieblichen Talortes, denn mit der Mühle war eine gut gehende Gastwirtschaft verbundene. Man denkt bei seinem Anblick von steiler Höhe herab an das Kernersche Lied „Dort unten in der Mühle,da geht ein Mühhlenrad".

Das gegenwärtige Gebäude stammt nach einer im Gutsarchiv (Familienarchiv 1X/28) neuerdings aufgefundenen Eintragung aus den 18. Jahrhundert Danach verkaufte der Dreher Josef Kuhn aus Haselbach im Jahre 1736 sein etwa 1731 von der Gutsherrschaft gekauftes Anwesen, bestehend aus neu erbautem Haus, Keller und Wiesplatz, an I. G. Herzer, Bestandmüller (=Pächter) auf der Bengertemühle. Dieser hat sich im Kaufvertrag verpflichtet, in sein gekauftes Haus eine Mühle mit 2 Mahl- und einem Gerbgang (für Dinkel) einzurichten und diese in einem "kompletten Stand“ zu erhalten. Die gegenwärtige Mühle besteht also seit etwa 1736. Unklar bleibt, welchen Interesse der Verkäufer Kuhn daran haben konnte, daß eine Mühle eingerichtet wird, Bestanden etwa alte Wasser- und Mahlrechte, die nicht verloren gehen sollten?

Der Grund war wahrscheinlich folgender:

Zu jener Zeit herrschte noch das Mühlenbannrecht oder der Mühlenzwang, d.h.die Herrschaft, z. B. die Stadt Gmünd hatte das Recht, ihre Untertanen zu zwingen in ihren Mühlen mahlen zu lassen. Dadurch fiel für sie ein Mahllohn u. ein Teil des Mühlenabfalls (Kleis, Abfallmehl, Ausputz) an, den sie fär die Schweinehaltung ihrer Bürger (Untertanen) dringend benötigte. Das Kloster Lorch obenso Gmänd hatte solche Untertanen und auch freie Bürger in Wetzgau, Großdeinbach, Pfersbach.und auch innerhalb ihrer eigenen Mauern. Die Stadt war also daran interesiert, daß in der Nähe eine Mühle stand. Wahrscheinlich hat sie deshalb ihre Grundstücke im Haselbachtal, wo eine Mühle existiert.


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Das langgestreckte Gebäude über der Mühle soll in seinem zur Mühle hin gelegenen Teil ein Schafstall gewesen sein, Der rechte Teil mit seinem Fachwerk deutet noch darauf hin. Der heute von Familie Joos bewohnte linke Teil ist später angebaut worden, Das Fachwerk dieser 4 Häuschen, einschließlich der beiden genannten im hinteren Dorf ist noch durchweg mit Lehmwickeln der mittelalterlichen Bauweise ausgeführt. Sie stammen also sehr wahrscheinlich noch aus der Zeit des 30 jähr. Krieges, wenngleich sie auch da und dort erneuert worden sind.

Die anderen Häuser lassen sich noch einigermaßen genau datieren:

Das WaIdrestaurant, 1914, Schener 1910gala landw. Anwesen von Schlaile erbaut, Frau Schlaile war die Schwester der alten
Fran Rau geb. Ellinger in Göppingen-Kolsheim. 1950 kam es durch Erbschaft in den Besitz der Familie Rau, die Ostern
1952 die Gastwirtschaft eröffnete. 1964/65 Umbau

Haus Ziegler, Neubürger um 1875 gleichzeitig mit der Anlage der Dorfstraße, die von Norden nach Süden zieht, damalig nur bis zum Haue Ziegler/ging.

Haus Kurt Nagel 1907 Es soll vom Errtrag einiger Honigjahre von dem damaligen *Bienenkönig Joh. Nagel (Über 100 Völker) bezahlt worden sein.

Haus Müller

Haus Clemet, Neubürger, 1958. In den Vorgängergebäude wohnte einst ein Schäfer‚wovon noch an der Seite eine Steintafel zeugt mit einem Wappen, das eine Schafschere, eine Hacke, einen glückbringenden Lebensbaum und 4 vierblättrige Kleeblätter zeigt.

Haus Heckendorn

Haus Geiger, in den 1890 er Jahren, seit 1904 im Besitz der Familie Geiger.

Haus Dolderer etwa zu derselben Zeit.

Auf dem Bergle:

Haus Weiher, wo früher Anwalt Rieg wohnte. Später wohnte die Familie Pitzal und Gudat dort. Die Felder wurden von Bauer Friedel in Waldau übernommen

Haus Messner und Haus Keim, letzteres etwa 200 Jahre alt, häufig erneuert, der gesamte Dachstock 1965 (und eine neue Wohnung im ersten Stock unter dem Dach 1980).

Haus Bohn, Backsteinhaus zwischen 1905 und 1914.

Haus Allka, Neubau, 1956.


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Im Tal:

Am Damm: Haus Dais, früher landwirtschaftliches Anwesen, 1953-65 als „Bürgerstüble“ Gasthaus und Kaufladen

Haus Weber: Neubürger. 1958 im „See“

Im Hause Bohn wohnten außerdem seit etwa 1955 amerikanische Familien, teilweise farbige, als Untermieter, deren Ernährer in der Kaserne der US-Armee in Gmünd tätig waren.

Ungefähr 1 km nördlich von Haselbach lag der Haselhof. Die Familie Läpple pachtete den Haselhof von 1893 bis 1958 vom Baron von Holtz in Alfdorf. Im Winter 1961/62 wurde der Haselhof abgebrochen. Heute steht ein Gedenkstein aus Granit unter einer Linde die an die 400 jährige Geschichte des Haselhofes erinnert. Die Linde stammt von einem Ableger der 1000 jährigen Linde des Unteren Schlosses in Alfdorf.

Die Maierhöfer Sägmühle ging 1924 aus der Hand der Gutsherrschaft Alfdorf in das Eigentum der Familie Ullmann über. Später heiratete 1958 Rudolf Weber (vom Schwarzwald) ein und führte die Landwirtschaft weiter, obwohl er von Beruf Schreiner war.

Außerhalb der Gemarkung Haselbach, zu Großdeinbach gehörig, liegt das Jagdhäuschen (Wochenendhäuschen) im Vogtshölzle im Volksmund „Hexenhäusle“ genannt. 1945 - 1964 wohnten dort verschiedene Neubürger, darunter die Familie Pitzal aus dem Sudetenland und Familie Neumann aus Sachsen. Ihr Trinkwasser holten sie an einer nahen Quelle. Licht spendete eine Petroleumlampe. Am Tag nach dem Einmarsch der Amerikaner (19.4.1945) gebar hier die hierher geflüchtete, verheiratete Tochter des Schulleiters von Großdeinbach ein Kind.