Text: Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte und kenne die
Meinen.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und
sie folgen mir;
und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie
werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand
reißen.“ (Johannes 10, 14.27.28)
Liebe Familie Keim, liebe Angehörige von Maria Keim, liebe
mittrauernde Gemeinde,
im hohen Alter von 95 Jahren ist am Sonntag
nach Ostern Ihre liebe Mutter Maria Keim geb. Bohn aus diesem
irdischen Leben abgerufen worden. Ein weiter Bogen spannt sich über
ihr Leben.
Sie hat vieles gesehen, kommen und gehen sehen. Freude und Leid hat sie erfahren. Und Sie haben viele Erinnerungen an Ihre Mutter. Die Jahre im Haselbach im stillen Tal. Die harte Arbeit in der Landwirtschaft und an die letzten Jahre im Pflegeheim.
Wir spüren heute, bei der Beerdigung„dass dies zu einem Ende gekommen ist. Die Erinnerungen kann Ihnen niemand nehmen. Sie können bei ihr sein in Gedanken und Gebeten. Aber doch ist die unmittelbare Gemeinschaft zu ihrem Ende gekommen.
Sie sind traurig, dass Sie Abschied nehmen müssen; aber wohl auch erleichtert, dass alle Mühe eines Lebens nun zu einem gnädigen Ende gekommen ist.
Lassen Sie uns auch in dieser Abschiedsstunde das tun, was die Christenheit seit vielen hundert Jahren tut, wenn sie Gemeindeglieder beerdigt: Lassen Sie uns auf Gottes Wort hören und daraus Trost schöpfen. Und wir hören dazu das Wort, in dem Jesus sagt: Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir;
und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ (Johannes 10, 14.17.28)
Alle, die heute hier sind, haben Maria Keim gekannt. Sie war Ihnen Mutter, Nachbarin, Verwandte. Oder Sie haben Sie aus der Zeit der Pflege gekannt. Jeder von Ihnen hat seine Erfahrungen mit ihr gemacht, und jeder hat seine ganz persönlichen Erinnerungen. Und gerade heuie, an der Beerdigung, tauchen sicherlich nochmais verdichtet und intensiv Erinnerungen an sie auf.
Maria Keim geb. Bohn wurde geboren am 26. November 1913 in Haselbach. Zusammen mit ihren drei Brüdern ist sie dort im Stillen Tal aufgewachsen. Ein Bruder ist im 2. Weltkrieg geblieben, die anderen sind auch schon verstorben.
Die Schule besuchte sie in Alfdorf. Dort wurde sie auch konfirmiert im Jahr 1927 zusammen
mit damals 76 Konfirmanden.
Sie hat den Beruf der Näherin erlernt und war in verschiedenen Haushalten in Stellung, unter anderem in Lorch. '
1946 heiratete sie ihren Mann Alexander. Den Eheleuten wurden zwei Kinder geboren: Walter und Dorothea.
Frau Keim war eine tatkräftige Frau, und sie betrieb fleißig ihre kleine Landwirtschaft im Haselbach.
Auch Schwere blieb ihr nicht erspart; sie musste Abschied nehmen von ihrer lieben Tochter Dorothea und von ihrem Alexander.
|
|
Aber sie hat Trost empfangen und sie war sehr selbständig, so dass es ihr wieder gelang, eigene Schritte zu tun. Ihr Haus und ihre Tiere gaben ihrem Leben eine Aufgabe. Die Familie hat Maria Keim viel bedeutet, für Sie als Sohn war es der Ort, zu dem Sie immer wieder kommen konnten.
Seit 11 Jahren war sie im Pflegeheim, zunächst im Kloster Lorch und später im Haubenwasen. Sie war gut versorgt und Sie haben mir gesagt, dass die Menschen dort kreativ eingegangen sind auf ihre Situation. •
Sie hat auch auf diesem Abschnitt ihres Lebens viel Liebe und Zuwendung empfangen, und dafür sind Sie dankbar.
Zuletzt war sie noch im Krankenhaus in Mutlangen. Dort ist sie am Sonntag, 19. April verstorben.
Das Bbelwort für uns enthält ein schönes Bild: Jesus als der gute Hirte. Der Gute Hirte sorgt für seine Herde, er beschützt sie, führt sie den rechten Weg.
Dieses Bild kann uns Vertrauen schenken. Sicherlich hat Frau keim dieses Bild auch gekannt.
Sie hat manches Schwere mitgemacht. Ich stelle mir vor, dass insbesondere der tragische Tod ihrer Dorothea sie sehr mitgenommen hat.
Vielleicht hat sie da manchmal am Sinn gezweifelt — warum das alles, warum diese inneren Schmerzen und die Frage nach dem Warum?
Ich stelle mir vor, dass sie den Glauben an den Guten Hirten nicht verloren hat. Dass sie sich ihm anvertraut hat in guten und bösen Zeiten.
Dieses Bild von Gott kannte Maria sicherlich schon von klein auf. Der Gute Hirte, von dem es heißt: „Du führest mich auf rechter Straße um deines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde, du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.“ (Psalm 23)
Ja, neben dem Schweren gab es auch die Freuden, den gedeckten Tisch, den vollen Becher und Frau Keim konnte sich freuen, wenn alle da waren und am Tisch saßen.
Nun sagt Jesus im Bild vom Guten Hirten noch etwas, was über unser Leben hinausgeht:
„Meine Schafe werden nimmermehr umkommen, und ich schenke ihnen das ewige Leben.“ Können wir das glauben? Die Antwort muss jeder und jede selber für sich finden. Aber Jesus, der gute Hirte macht dieses Angebot. Er ist den Weg gegangen, der Liebe heißt. Er ging den Weg durchs Leiden am Kreuz von Golgatha, er ist von Gott auferweckt worden am dritten Tage. Und alle, die auf sein Wort hören, die sich ihm anvertrauen, denen gilt diese wunderbare Zusage: „Ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“
Liebe Trauerfamilie, liebe Gemeinde, hören wir dieses Wort im Blick auf unsere liebe Verstorbene. Auch auf diesem schweren letzten Weg ist sie nicht allein; sie bleibt geborgen in der Liebe des Guten Hirten. Hören auch wir sein Wort, ergreifen wir seine Hand, bis einst unser Leben mit all seiner Mühe und seinem Leid - aber auch mit allen Freuden und allem Jubel - einstimmen wird in das Lob unseres Gottes. Amen.
Lieder: EG 391 Jesu, geh voran
EG 376 So nimm denn meine Hände